Geschmacksverlierer Betze!


RB, also Red Bull…ähh…Rasenballsport, Leipzig polarisiert. Das tun sie auf dem Platz, das tun sie neben dem Platz. Da ist Kritik zuweilen angebracht. Gestern auf dem Betzenberg ging sie aber zu weit. Viel zu weit. Ein Kommentar.

Der millionenschwere Brausegetränkhersteller Red Bull und seine millionenschweren Sportprojekte sind mittlerweile in der Sportwelt nicht mehr zu übersehen. New York, Salzburg und Leipzig sind seine größten Standorte im Fußball. Aus dem Nichts wurden und werden Vereine aufgezogen, die nach und nach zu nationalen und bald auch internationalen Giganten gemacht werden.

In Leipzig passiert das seit 2009. Im Gegensatz zu den vielen klammen Traditionsklubs haben sie es relativ einfach – und nicht zu sagen einfach. Vor sieben Jahren übernahm RB das Startrecht eines Fünftligisten. Nicht einmal sieben Saisons später stehen sie vor dem Aufstieg in die höchste deutsche Spielklasse. Auch wenn in Leipzig gute sportliche Arbeit geleistet wird, ist diese Entwicklung ohne die Geldmittel des großen Vaterkonzerns nicht möglich gewesen. Punkt.

Dass die Töne der Kritiker immer lauter werden, war abzusehen. „Geld regiert die Welt„, „S***** Kommerz“ und „RB klaut uns die Plätze“ sind Aussagen, die täglich in den sozialen Medien zu lesen sind. Jedes Wochenende dann auch auf großen Bannern und Plakaten in den Stadien. Wie auch am gestrigen Montagabend in Kaiserslautern. RB spielte am 31. Spieltag der zweiten Bundesliga am Betzenberg gegen den 1. FC Kaiserslautern. Großartig sportliche Brisanz hatte die Partie nicht. Leipzig ist wohl so gut wie aufgestiegen, der FCK dümpelt im Niemandsland der Tabelle (11.).

Wie so oft wurde der Gast aus Sachsen nicht gerade freundlich begrüßt. Schön und gut. Solche Projekte müssen die Fußballfans – gerade die der Traditionsklubs wie Kaiserslautern – nicht zwingend mögen. Zu einem einschneidenden Ereignis wurde das Spiel aber dennoch. Mit Willi Orban kehrte ein RB-Verteidiger zurück an den „Betze“, wo er bis 2015 ganze 18 Jahre lang gekickt hatte. Über den Wechsel zum Kommerzriesen waren die Pfälzer-Fans (FCK) nicht ganz so glücklich – damals wie heute. Können sie auch, muss ja nicht jeder mögen. Aber wie Orban dann empfangen wurde geht über jegliche Grenzen hinaus. Erschreckend musste der erst 23-jährige Fußballprofi mit ansehen, wie sein Gesicht auf der Heimtribüne auf Plakaten durchgestrichen und sogar mit Fadenkreuzen versehen wurde. „Willi hat einen kleinen S*****“ war zudem zu lesen. Auch RB-Trainer Ralf Rangnick, der 2011/12 für ein Jahr aus gesundheitlichen Gründen im Fußballgeschäft pausierte, bekam einiges ab: „Burn, Ralfi! Burnout!

Ganz ehrlich, da brauch auch gar nicht mehr diskutiert werden. Das geht gar nicht. Liebe Fans, ihr äußert hier keine Kritik mehr – ihr beleidigt. Ja, ich gebe euch in einem Punkt recht, das Fußballgeschäft verkommt mehr und mehr zum Spielfeld großer Konzerne. Sport ist nicht mehr nur Sport, sondern viel mehr. Ganz glücklich kann da niemand sein. Wenn euch aber von einem großen Konkurrenzbetrieb ein unausschlagbares Gehaltsangebot gemacht werden würde, was würdet ihr sagen? Der schnelle Jobaufstieg und das große Geld? Viele würden da nicht Nein sagen. Und im Fußball ist das nichts anderes. Fußballer arbeiten auch. Jeden Tag. Natürlich haben sie es manchmal angenehmer als in anderen Berufen – das Geschäft ist dennoch hart. Sie entscheiden sich für den Weg als Profi, brechen Ausbildungen ab, lernen nichts anderes. Wenn sich dann die Möglichkeit für das noch größere Geld ergibt, nutzen viele diese Chance. Und ganz ehrlich, ich kann es ihnen nicht verübeln. Nicht immer, aber immer öfter.

Also liebe Fans, verurteilt das System, nicht die Spieler!

P.s. Der Vollständigkeit halber: Willi Orban erhielt in der 63. Minute die Gelb-Rote Karte. Häme der FCK-Fans inbegriffen. Tut aber nichts zur Sache.

2 Kommentare zu “Geschmacksverlierer Betze!

  1. Pingback: Presse 26.04.2016 | rotebrauseblogger

  2. Seit der Zeit als die Leipziger Marschall & Riesche für den FCK tätig waren , habe ich als Leipziger einige Spiele auf dem „Betze“ besucht -> dies wird definitiv nicht mehr passieren
    Die anwesenden FCK Zuschauer haben sich als „Boltzplatzzuschauer“ qualifiziert !

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