Die mutsige Flop-Acht des ersten Bundesliga-Viertels


Quelle: Facebook / Kevin Kurányi

Quelle: Facebook / Kevin Kurányi

Ein Viertel ist rum, ein Viertel aller Bundesligaspiele diese Saison. Grund genug, um neben den bereits gekührten Heroen (Lewandowski, Müller und Aubameyang) auch endlich wieder die Flops der vergangenen Spieltage herauszustellen. Ein erster Spoiler und Kracher: Kein Sandro Wagner dabei.

Von Gast-Autor Luis Heine

Kevin Kuranyi (TSG 1899 Hoffenheim, Sturm): Gehasst und ins russische Exil verbannt wollte „KK22“ wieder in Deutschland Fuß fassen und wählte dafür den einzig richtigen Schritt: Der Wechsel zum sympathischen Familienverein aus dem Kraichgau: die TSG aus Sinsheim. Die ernüchternde Bilanz zwei Monate später: Verbannung aus der Startelf nach dem vierten Spieltag, 0 Tore, 0 Assists. „Wie es weiter gehen sollen müssen sie die Trainer fragen, nicht mir“.

Lucien Favre (Borussia Mönchengladbach, Trainer): Die einen sagen konsequent, die anderen verantwortungslos. Der gefeierte Held des Nicht-Abstiegs 2011 und der ersten Champions League Teilnahme seit 1978 zog nach fünf Spielen völlig überraschend seinen Hut und verließ die Fohlenelf mit einem Paukenschlag. Aus den ersten fünf Spielen holte die Borussia satte 0 (in Worten: Null) Punkte. Wuchtbrumme und Transferkönig Max Eberl – seines Zeichens Sportdirektor – soll der Transferwünsche des Monsieur nicht gefolgt sein und dieser dementsprechend keine Zukunft für dieses Team gesehen haben. Unter Nachfolger Andre Schubert gab es übrigens vier Siege zum Start.

FC Augsburg: Leider findet sich in dieser Flop 8 auch das sympathische Team aus Bayern wieder, welches letztes Jahr noch Schalke und den BVB aus Dortmund hinter sich ließ. „In Europa kennt uns keine Sau“ lautete dann auch der markige Slogan, mit welchem die Europa League erobert werden sollte. Gegen Bilbao (1:3) lieferten die Jungs aus der Puppenkiste zwar einen großen Kampf, aber für das große europäische Parkett reichte es noch nicht. Auch in der Liga kamen die Fuggerstädter nicht in Tritt – und so zeigt sich mal wieder, dass die Doppelbelastung für Underdogs wohl doch eine Nummer zu groß ist. Es sieht aus, als würde sich in Europa nächstes Jahr keine Sau mehr an den FCA erinnern. Schade.

André Schürrle (VfL Wolfsburg, Sturm): Während man im Sommer noch von durchaus normalen Anpassungsschwierigkeiten ob der mangelnden Vorbereitungszeit mit dem Team sprechen konnte, muss man nun angesichts der kolportierten 32 Millionen €, welche Klaus Allofs auf den Tisch legte, hinterfragen, was der Grund für die anhaltende Formschwäche des Außenstürmer sein könnte. Seit seiner Ankunft im Januar bewegen sich die Aktien des Nationalstürmers in ähnlichen Gefilden wie die seines Hauptarbeitgebers, ein ganzes Tor erzielte er seitdem. In der laufenden Saison sitzt der Vorlagengeber des goldenen Tores zum WM Titel in Rio, welcher sich auf seiner eigenen Homepage unter anderem als „dynamisch“, „erfolgreich“ und „fokussiert“ beschreibt, fast durchgehend auf der Bank, während seine Konkurrenten Caligiuri und Kruse durchstarten. Immerhin: Am neunten Spieltag gelang ihm nach Einwechslung endlich seine erste Torbeteiligung der Saison.

Martin Harnik (VfB Stuttgart, Sturm): Der Hamburger Jung mit den österreichischen Wurzeln verkam in den letzten, krisengebeutelten Jahren des VfB Stuttgart immer mehr vom Torjäger zum Sinnbild der fehlenden Effizienz der spielerisch durchaus ansehnlichen Offensive der Schwaben und musste seinen Thor-Hammer-Gedächtnis-Jubel auf das Spielen an der PlayStation beschränken. Oft scheiterte Harnik zu Saisonbeginn kläglich vor dem Tor und bekam zudem kurz vor Ende der Transferperiode noch in Person von Robbie Kruse direkte Konkurrenz vor die Nase gesetzt. Ob der Ausfälle von eben Kruse sowie Daniel Ginzcek und Filip Kostic bekommt Harnik zumindest wieder die Möglichkeit sich zu beweisen und den VfB aus der Krise zu schießen, steht aber weiterhin bei 0 Saisontoren. Den Hammer lässt er zumindest in der Nationalmannschaft noch kreisen: Österreich hat sich mit Harnik als Stammspieler souverän für die Europameisterschaft 2016 in Frankreich qualifiziert. Fesch.

Dominik Stroh-Engel (SV Darmstadt 98, Sturm): Einen Verlierer beim Kollektiv des überaus erfolgreich gestarteten Aufsteigers aus Darmstadt auszumachen tut weh, besonders wenn es einen trifft, der maßgeblich zum Durchmarsch aus der 3. Liga in die Beletage des deutschen Fußballs beigetragen hat: 27 Tore in der Saison 13/14, neun derer in der letztjährigen Saison – Dominik Stroh-Engel war der Torgarant der Lilien. In diesem Sommer wurde ihm ein Konkurrent zur Seite gestellt, der in der Bundesliga unter anderem die Fans des FC Kaiserslautern, Werder Bremen und Hertha reihenweise aus den Sitzschalen riss: Fußballgott Sandro Wagner. Eben jener eroberte sich Stroh-Engels Stammplatz , nachdem dieser in den ersten fünf Spielen erfolglos blieb, und knipste bereits drei mal. Zudem übernahm Wagner mit dem Stammplatz Stroh-Engels auch dessen Legitimation zur Ausführung von Strafstößen – und führte dies gegen Mainz in feinster David Beckham-Manier aus. So blieb für den Aufstiegshelden in den vergangenen Spielen nur die ungewohnte Jokerposition – bis dato ohne jedes Erfolgserlebnis.

Alexander Zorniger (VfB Stuttgart, Trainer): „Da brauch‘ mir keiner mit Georg Niedermeier zu kommen.“ Dieses Zitat von Alexander Zorniger, als auch die Tatsache, dass Georg Niedermeier schon in der letzten Flop-Liste vertreten war, sind die Gründe für die Auflistung Zornigers anstelle Niedermeiers an dieser Stelle. Er war der absolute Wunschtrainer der Verantwortlichen beim VfB: ein authentischer Schwabe sollte die Stuttgarter nach zwei Last-Minute Rettungen durch den „Knurrer aus Kerkrade“, Huub Stevens, wieder in ruhigere Gewässer fahren. Dies gelang zum jetztigen Zeitpunkt eher semi-erfolgreich: nach sechs Spieltagen war der VfB mit 0 Punkten wieder fest im Tabellenkeller angekommen. Stets durch seinen Manager Robin Dutt gestützt, wählte Zorniger unorthodoxe Methoden um seine Spieler, allen voran den 19-jährigen Timo Werner zu motivieren. Nach dem 2:2 gegen Hoffenheim ging er diesen in aller Öffentlichkeit, trotz seines Tores zum Ausgleich an – und erntete Kritik aus ganz Fußballdeutschland. Fortsetzung folgt. Falls nicht, hat Dutt bestimmt noch Huubs Nummer.

Gotoku Sakai (Hamburger SV, Abwehr): Bruno wollte, Bruno bekam! Für läppische 700.000 € ging es für den Cosmopolit Gotoku „Go“ Sakai (in New York City geborener Japaner mit deutscher Mutter) von der Bank des Fast-Absteigers aus dem Süden auf die Bank des Fast-Absteigers aus dem Norden. Bruno Labbadia, unter welchem „Go“ schon in Stuttgart trainierte, suggerierte seinem Schützling eine „überragende Mentalität“ (MOPO). So überragend, dass „Go“ nicht nur beim HSV auf der Bank sitzt, sondern auch die Länderspielpausen immer wieder nutzt, um für die Sapponara bei Brocken wie Kambodscha oder Afghanistan die Bank warm zu halten. Also, frei nach Altmeister Otto Rehhagel: „Attack, Attack, Go!“

Der Autor vertritt seine Meinung unabhängig von der Redaktion.

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