Die mutsige Flop-Zwölf der Saison 2014/15


Schläger, Unglücksraben, Lattenkönige. Die Fußball-Bundesliga hatte auch in der Saison 2014/15 wieder verschiedenste MVPs (Meister vieler Peinlichkeiten) der besonderen Art zu bieten. Wir haben selektiert und eine Flop-Elf bzw. Zwölf zusammengestellt.

Quelle: Instragram

Quelle: Instragram

Tor:

Raphael Wolf (Werder Bremen): Der Bremer Schlussmann war das Gesicht der katastrophalen Werder-Hinrunde. Gerne griff der geborene Münchner herzhaft daneben und vermieste dem Weser Umland so manches Wochenende. Nur in fünf von 27 Einsätzen blieb seine Weste weiß. Das grün-weiße Management hatte irgendwann das Einsehen und beförderte Wolf auf die Bank. Aktuell steht Felix Wiedwald (Eintr. Frankfurt) bei Werder im Gespräch.

Abwehr:

Emir Spahic (ehem. Bayer Leverkusen): Zugelangt hat er, der serbische Veteran. Drei Mal holte sich Spahic in der aktuellen Saison eine Kartensperre ab. Bevor er allerdings bei Bayer Leverkusen ausgedient hatte, stellte er noch einmal seine kämpferischen Qualitäten unter Beweis, als er einen Bayer-Ordner mit einer gezielten Kopfnuss ausknockte. „Der Kopf war schon immer sein stärkstes Körperteil“, wussten die bisherigen Trainer des mittlerweile 34-jährigen nach Ecken-Einheiten im Training zu berichten. Diese wird er in Zukunft aber wohl maximal bei der SpVgg Oberkotzau in der Bezirksliga Oberfranken Ost absolvieren. Die Bundesliga wird es eher nicht mehr.

Georg Niedermeier (VfB Stuttgart): Böse Zungen machten ihn im Verlauf der Spielzeit zum „Nachfolger des großen Heiko Westermann“. Kaum einer stand in den vergangenen 34 Spieltagen so häufig im Slapstick-Ranking wie Georg Niedermeier. Mal ließ er sich per Gewaltschuss von Frankfurts Aigner sämtliche Weichteile entfernen, mal verletzte er sich die Hand an der Latte…also dem langen Ding über den Pfosten. Und das Tor verfehlte er auch gut und gerne mal um mehrere Kilometer. Drei Spiele vor Schluss und auf Platz 18 griff Trainer Huub Stevens durch – Niedermeier auf die Bank. Von da an gewann der VfB Stuttgart jedes Spiel.

Christoph Janker (FC Augsburg / Hertha BSC Berlin): Christoph Wer? Richtig. Sofern es den einen (nicht durch eine Verletzung aus der Bahn geworfenen) Unglücksraben der Saison gibt, dann ist das ohne Zweifel Janker. Nach kürzeren Leistenproblemen zu Beginn der Spielzeit durfte sich der damalige Herthaner die komplette Hinrunde in Berlin ohne größeren Grund von der Tribüne aus angucken. Zum Winter folgte der Wechsel nach Augsburg. Am 19. Spieltag dann Jankers großer Auftritt. „Endlich wieder Bundesliga“, dachte sich der Innenverteidiger – und räumte Dortmunds Aubameyang voller Überschwang derart heftig ab, dass es sofort die nächste Pause gab (Rotsperre). Drei Spieltage später bekam er noch eine einzige weitere Minute Einsatz, dann war die Saison für Janker gelaufen. Auf dem Abstellgleis versauerte er sich in die Rubrik „Da war doch mal wer“.

Mittelfeld:

Rafael van der Vaart (Hamburger SV): Niemand verkörpert den Tauchgang des HSV so wie Rafael van der Vaart. Einstige Blütezeiten mit den Hamburgern und Real Madrid in der Champions League (ja, auch dem HSV) sind längst vergessen. Dass der niederländische Spielmacher mit vier Saisontreffern der erfolgreichste Torschütze bei den Hanseaten ist – ein nahezu groteskes Bild. Van der Vaart ist auf dem besten Weg seinen etwas weniger bekannten Namenvetter Jimmy vom niederländischen Amateurklub SV Deltasport Vlaardingen den sportlichen Vortritt zu überlassen. Der trifft nämlich im Schnitt alle 63 Minuten. Rafael trifft hingegen nur noch eins: den Nerv Fußball-Deutschlands.

Horst Heldt (FC Schalke 04): Wäre Schalkes Manager doch bloß lieber Spieler geblieben, irgendwo auf der „6“ bei den Super-Senioren von Burdissa Bautzen. Dort hätte er sicherlich eine bessere Figur abgegeben als im Ruhrpott. Das Gesicht der Gelsenkirchener Misere fand mit 04 nie in geregelte Bahn. Er und sein ranghöherer „Bratwurstdiktator“ Clemens Tönnies (11Freunde) schafften es in der vergangenen Spielzeit regelmäßig dem Traditionsklub jegliche Ernsthaftigkeit zu entreißen. Wem in Königsblau überhaupt noch zu glauben ist, schwer zu sagen. Heldts ohnehin schon gnomenhafte Körpergröße von 1,69m wirkt von Interview zu Interview winziger. Mehr Horst als Heldt.

Kevin-Prince Boateng (FC Schalke 04): Als „Prinz“ Kevin vergangenen Sommer bei der WM in Brasilien während des Turniers aus dem ghanaischen Kader geschmissen wurde, kam dafür viel Unverständnis auf. Knapp ein Jahr später konnte allerdings schon besser nachvollzogen werden, warum sich Ghanas Nationalcoach James Appiah die Reißleine zog. Roberto Di Matteo (mittlerweile ebenfalls gewichen) tat es ihm gleich. Im Schalker Chaos ging der zugegeben charismatische Fußballer mehr und mehr unter. Seine zwischenzeitlich aufblitzenden Zuckerpässe wurden immer wieder durch interne Streitigkeiten und das Unvermögen des königsblauen Managements Boateng als Leader zu integrieren kaputt gemacht. Der deutsch-ghanaische Vollblutkicker war ein Problem zu viel für Schalke – und musste gehen. Obendrein verdiente er auch noch 7,5 Millionen Euro im Jahr. Schalke konnte sich Boateng sparen und Boateng sich Schalke.

Sidney Sam (FC Schalke 04): Neben Boateng das zweite Opfer der Planlosigkeit in königsblau. Ein Mix aus nie mehr als durchschnittlichen Leistungen und einer Prise Muskelproblemen waren Sam’s Hauptinhalte der Saison. Eine Torvorlage in elf Spielen – etwas wenig für einen, dessen Hauptaufgabe das Vorbereiten ist. Nach Spieltag 32 griffen die wurstigen Tönnies- und schlumpfigen Heldt-Hände dazwischen und schickten ihn in den vorzeitigen Sonderurlaub. In Gelsenkirchen wird er nach diesem wohl kaum mehr auftauchen.

Julian Green (Hamburger SV): Mit dem Hashtag „#relax“ und den Worten „Have a nice evening“ präsentierte sich Jungspunt Julian Green am 19. Mai auf Twitter.

Quelle: Twitter.de / Julian Green

Quelle: Twitter.de / Julian Green

Beruhigend zwischen all diesen nervenaufreibenden Stress-Profis auch mal einen Ruhepol in der Bundesliga zu haben. Blöd aber, wenn dieser im akutesten Abstiegskampf steckt und seine Konzentration eher auf die kommende Aufgaben legen sollte. So wirklich identifiziert mit seinem neuen Verein, dem HSV, hatte sich der Leihspieler aus München allerdings nie. In den sozialen Netzwerken outete sich Green zu keiner Zeit als Hamburger. „Player of FCBayern“ ziert seine öffentlichen Auftritte. Auch auf dem Platz war der US-Nationalspieler selten mit Raute auf dem Trikot zu sehen. Mehr als fünf Kurzeinsätze wurden es nicht. Nach dem 2:0 des HSV über Schalke und der Rettung in die Relegation twitterte Green übrigens freudestrahlend vom Sieg – dem Sieg seines Eishockey-Lieblingsklubs Tampa Bay in der NHL.

Angriff:

Nicklas Bendtner (VfL Wolfsburg): Gäbe es auf Twitter die Möglichkeit sich selbst zu folgen, wäre Nicklas Bendtner der Erste, der diese Funktion nutzt. Nicklas Bendtner ist Wolfsburgs personifizierte Selbstverliebtheit. Nicklas Bendtner ist groß. Nicklas Bendtner ist technisch versiert. Nicklas Bendtner schafft es nur nicht allzu häufig das Tor zu treffen. Eine Bundesligabude gelang Nicklas Bendtner diese Saison lediglich. Wir mögen Nicklas Bendtner trotzdem. Denn Nicklas Bendter ist jetzt richtiger Lord, also höchst offiziell. Das waren 8x Mal Nicklas Bendtner in acht Sätzen. Wir hoffen, das gefällt Nicklas Bendtner. Das ist nämlich die Hauptsache.

Salomon Kalou (Hertha BSC Berlin): Als Hertha-Keeper Thomas Kraft am 32. Spieltag nach dem 0:0 gegen Eintracht Frankfurt auf die obligatorische „Woran hat’s gelegen-Frage“ mit „Fragt doch unseren blinden Stürmer“ antwortete, konnte er eigentlich nur einen gemeint haben – Salomon Kalou. Der Ivorer startete mit fünf Treffern in elf Einsätzen zwar ordentlich in die Saison, baute dann aber wie die gesamte Hertha ebenso ordentlich ab. Dabei weiß „Salo“ wie Erfolg geht. Vier Mal FA-Cup, einmal Premier League und einmal Champions League hat er in seinen Jahren beim FC Chelsea gewonnen. In Berlin ist er davon weiter entfernt, als Marco Reus vom begleiteten Fahren.

Trainer:

Peter Knäbel (Hamburger SV): Nur zwei Hamburger in der mutsigen Flop-Elf der Saison – das erschien uns dann doch etwas wenig. Wenn einer auf den unrühmlichsten Trainerstuhl der vergangenen Spielzeit gehört, dann Peter Knäbel. Sein Interimsposten an der Seitenlinie beim HSV brachte ihm in zwei Spielen null Punkte und 0:6 Tore ein. Da kommen nicht einmal die größten Werner Lorants der Nation ran. Damit reihte sich Knäbel, unter den Fans hämisch „Uns Peter“ genannt, nahtlos in die große Hamburger Trainer-Verschleiß-Show ein. Der Unterschied zu seinen Vorgängern: Er verkroch sich nach den kurzen Peinlichkeiten schnell wieder auf der Posten des Sportdirektors zurück als wäre nichts gewesen.

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