„Werden über alles reden“


Der Sieg der Hamburg Freezers am Freitagabend (3:1 gegen die Grizzly Adams Wolfsburg) war Wasser auf die Mühlen. Nicht einmal 36 Stunden nach der Entlassung von Benoit Laporte zeigten die Eisschränke eine couragierte Leistung, sie blockten viele Schüsse und gingen keinem Check aus dem Weg. Sogar Gäste-Trainer Pavel Gross erkannte an: „Gegen einen solchen Gegner hast du keine Chance. Der kämpft bis zum Umfallen.“

Viel wichtiger – und vor allem nachhaltiger – als der Erfolg im Heimspiel waren jedoch die Worte des zurückgekehrten Kapitäns Christoph Schubert im Anschluss an die Partie. Gemeinsam mit Doppel-Torschütze Kevin Clark stellte er sich vor die Fankurve und äußerte wichtige Worte: „Alles, was in den letzten Tagen passiert ist, muss mal besprochen werden. Wenn Zeit vergangen ist, können wir uns darüber unterhalten.“ Vieles wurde, vornehmlich im Internet und über die Medien, geäußert. Die Spieler seien Schuld an der Entlassung Laportes, sie hätten gegen ihn gespielt. Tatsächlich zeigten Schubert und Co beim geglückten Debüt des bisherigen Co-Trainers Serge Aubin ein anderes Gesicht. Aber lag das wirklich daran, dass man den im letzten Jahr so erfolgreichen Kanadier entlassen hat?

„Sicher ist: wir hatten wieder Spaß“, betonte Schubert noch einmal. „Unsere Zuschauer haben hinter uns gestanden, das hat uns gepusht und begeistert.“ Im World Wide Web äußerten viele Anhänger ihren Unmut, einige drohten damit, den kommenden Spielen in der O2-World fernzubleiben. Die Reaktion des Teams in den Worten des Kapitäns: „wir haben uns belohnt und viel umgesetzt. Das ist unsere Aufgabe – und die haben wir erledigt.“

Preislimbo im Athlone


19.09.2014, National First Division: Engen Santos FC – Royal Eagles FC 4:2 (2:1)

Das Corpus Delicti: Feurig scharf und ultra-billig

Das Corpus Delicti: Feurig scharf und ultra-billig

An einem milden südafrikanischen Freitagabend ewartete uns ein Event der Extra-Klasse im Athlone Stadium bei Kapstadt. Ein Zweitliga-Spiel, gepackt mit so viel Sonderheiten, dass es für einen kurzen Stadionwursttest eigentlich gar nicht reicht. Der Reihe nach…

Das Athlone Stadium wirkt mächtig, als wir unsere zwei Leihwagen auf den 45 Minuten vor Anpfiff noch komplett leeren Parkplatz lenken. Die vier großen Flutlichmasten ragen majestätisch aus dem 30.000-Platz-Konstrukt am östlichen Stadtrand Kapstadts. Schon die ersten Schritte im Stadion ließen diese pompöse Stimmung jedoch schnell wieder verpuffen. Zunächst einmal suchten wir nach der Eintrittspreis-Tafel – vergeblich. Der Eintritt war frei. Einfach mal umsonst. Für zweite Liga und solch ein Stadion hätten wir gut und gerne einen Zehner gezahlt. Denkste – wir wurden so reingelassen. Wer nun eine volle Hütte erwartete, durfte sich kurz in Richtung leergefegter Parkplatz umdrehen und begreifen, dass die WM 2010 anscheinend wenig Lust auf mehr hinterlassen hatte. Ganze 350 Zuschauer saßen auf der einen, einzigen Tribüne die an diesem Abend geöffnet war. Dazu kommt, dass knapp 250 davon Fans der Auswärtstruppe aus Durban waren – immerhin 19 Stunden Busfahrt lagen demnach hinter ihnen. Diese machten dann auch lautstark Stimmung. Von den restlichen 100 vermeintlichen Heimfans war allerdings so wenig zu hören, dass wir (zehn Mann) kurzerhand den Heimblock stellten und mit allerlei erlernten Schlachtrufen eine Mannschaft anfeuerten, bei der wir keinen einzigen Akteur mit Namen kannten, geschweige denn zuvor schon mal gesehen hatten.

So eine ausgiebige Fan-Choreo machte uns derartig hungrig, dass wir noch vor Anpfiff den Weg an die einzige Verpflegungsstation im Stadion fanden. Zu einem Preis von 15 südafrikanischen Rand (1,04 Euro) bekamen wir eine landestypische Boerewors im weichen Hotdog-Brötchen,  inklusive Bratzwiebeln und feurig-scharfer Chili-Sauce. Während jeder europäische Fußball-Liebhaber bei diesem Preis warscheinlich durch die Decke gegangen wäre, waren wir das Preislimbo hier bereits gewohnt und griffen mit einem müden Lächeln gleich doppelt zu. Mit viel Liebe war dieses Fleisch-Geschöpf allerdings nicht geschaffen. Die leicht desinteressierte Wurstesse überreichte uns eine lauwarme, labbrige Wurst mit ordentlich Sauce on top. Zumindest schmeckte sie dann enorm würzig – im Vergleich zu unserem letzten Boerewors-Test nix Neues. Boerewors bleibt halt Boerewors. Note 2,6.

P.s. Der Zweitliga-Kick auf dem für südafrikanische Verhältnisse durchaus akzeptablen Rasen endete mit einem 30-Meter-Kracher 4:2 für Santos – natürlich nur aufgrund unserer lautstarken Unterstützung.

 

Note
Wursttyp: Boerewors (Bratwurst)
Preis: 15 Rand (~1,04€) 1
Konsistenz: Boerewors-typisch labbrig 4
Temperatur: lauwarm 3
Geschmack: mega-würzig, feurig scharf 2
Bräunegrad: solide bräunlich 3
Gesamtnote 2,6

Wenn die Wurst im Brötchen verschwindet…


06.09.2014, 3. Liga: FC Hansa Rostock – Hallescher FC 0:1 (0:0)

Länderspielpause? Egal! Irgendwie muss meine Ration Stadionwurst am Samstag her. Die 3. Liga ist dann auch noch die höchste Spielklasse in Deutschland, die an diesem Wochenende stattfindet – mit dem Optimismus trat ich zumindest den Trip nach Rostock an.

Ein Ostderby an der Ostsee im Ostseestadion – natürlich komplettiert durch ein Ticket für die Osttribüne. 23 Euro kostet der Spaß? Dann muss sich die Bratwurst aber auch lohnen! Und das Spiel natürlich auch.  Der FC Hansa schraubt die Erwartungen an seine Grillspezialität gleich mal in die Höhe – „Klasse Wurst!“ ist über der Verkaufsbude zu lesen. Dann mal los. Für 2,70 Euro gibt es die Rostocker im Brötchen. Einmal kurz eingeschoben: So muss die Brotbeilage zur Wurst aussehen, spitze! Da muss man den fleischigen Inhalt fast suchen, so riesig ist das Brötchen.  In der Optik ist die Bratwurst aus Rostock eine glatte EINS. Geschmacklich ein sehr eigener Wursttyp , aber gut. Außerdem wird in der Hansestadt nicht mit Ketchup und Senf gegeizt. Die Hälfte davon landete zwar bei meiner vorderen Sitznachbarin auf dem Sitz – sorry dafür, konnte aber mit dem Taschentuch meines rechten Sitznachbars entfernt werden – danke hierfür.

Um auch das Spiel kurz anzusprechen – die 23 Euro Eintritt waren eine absolute Frechheit! Die Hausherren ohne jegliche Leidenschaft oder Spielidee. Der HFC, oder in Fankreisen auch bevorzugt Chemie Halle, mit einer angemessenen Vorstellung für ein Auswärtsteam. In der Offensive lief zwar auch nicht sehr viel zusammen, die Gäste aber das klar überlegene Team. Eine Gogia-Freistoßflanke in der zweiten Halbzeit wird von Hansa-Torwart Hahnel unterschätzt und schlägt ins Netz ein. 0:1 für Halle. Ein verdienter Sieg in einem – noch positiv ausgedrückten – Grottenkick. Beide Fanlager unterstützten ihre Mannschaften dennoch bemerkenswert lautstark.

Wenn das Spiel der Rostocker auch nur im Ansatz so schön anzuschauen wäre wie die Bratwurst, dann würde da sogar was in Richtung Aufstieg gehen. So liegt die Kogge nicht mehr gut in der See und segelt langsam aber sicher in die nächste Krise.

Note
Wursttyp: Bratwurst
Preis: 2,70 EUR 3,0
Konsistenz: knackig 1,5
Temperatur: genau richtig 1,5
Geschmack: wurstig gut 1,5
Bräunegrad: kostant braun 1,0
Gesamtnote 1,7

Da ist dir das Spiel Wurst


06.09.2014, Landesliga Niedersachsen: TuS Neetze – TuS Celle FC 1:1 (0:1)

Es war ein verregneter Samstag, die Bundesliga hat den Betrieb für einige Tage eingestellt, will der Löw-Truppe Platz machen. Für ein Quali-Spiel gegen Schottland. Während sich die meisten noch fragten, wieso überhaupt eine Qualifikation gespielt wird für die EM 2016 – immerhin spielen ja 24 Teams in Frankreich mit – machte sich MUTS auf den Weg, um die beste Wurst der Welt ausfindig zu machen.

Zum ersten Mal sind wir im Landkreis Lüneburg unterwegs. 15 Kilometer vom schönen Lüneburg entfernt liegt Neetze, ein kleines Dorf der Samtgemeinde Ostheide. Der Heim-TuS ist gerade auf-, sein Gegner aus Celle abgestiegen. Das zeigt auch das Spiel. Ibrahimovic spielt bei den Gästen mit – allerdings in der Abwehr. Er zieht den Ball an wie ein Magnet. In der Spitze ein pfeilschneller Kicker, es könnte sowohl vom Äußeren als auch vom Laufstil der kleine Bruder von David Odonkor sein. Dazwischen technisch gute Fußballer, aber Neetze ist sowieso nicht der Maßstab. Noch in der ersten halben Stunden ging Celle in Führung. Gähn, egal, Hunger. Das dachten sich viele der rund 150 Zuschauer im Jahn-Stadion.

Trotzdem ging es schnell. Innerhalb kürzester Zeit liegt heißes Grillgut auf meiner Pappstange. Ohne Diskussionen anfangen zu wollen: meine private Fehde mit dieser Pappe und dem halben Toast als Beilage ist nicht zu verschweigen. „Worscht im Weck“ habe ich liebgewonnen, aber na gut.

Die Schinkenwurst vom Grill ist ein Hammer, die scheppert in den Geschmacksnerven mehr als jeder Lattenkracher von Naldo. Eine perfekt temperierte Wurst, perfekt gegrillt, knackig und nicht trocken. Da ist die Pappe schnell vergessen. Ein dickes Lob an den gut besuchten Grillchef. Hoffentlich hatte auch „Ibrakadabras“ Double noch Zeit für einen Bissen…

Was gab es noch? Achso, Neetze erzielte nach einem langen Einwurf und einer schönen Einzelaktion des Stürmers kurz vor Schluss den Ausgleich. Überraschend, das „Ibra“ das zugelassen hat. Aber das war mir Wurst! Meine Zunge fuhr noch nach dem Abpfiff Achterbahn – wenigstens eine schöne Erinnerung bleibt von diesem verregneten Samstag ohne Bundesliga –

Note
Wursttyp: Schinkenwurst
Preis: 2 EUR 2
Konsistenz: knackfrisch 1,5
Temperatur: perfekt (nicht zu heiß, nicht lauwarm) 1,0
Geschmack: kräftig und natürlich 1,5
Bräunegrad: optimal gebräunt 1,5
Gesamtnote 1,5